Nachlese Velothon 2011

Kurz nach 07:00 Uhr ziehe ich die Tür hinter mir zu und mache mich auf dem Weg zum Start.

Bis zur S-Bahn in Hoppegarten rolle ich sehr locker, dann geht es mit der S-Bahn weiter in Richtung Berlin-Mitte. Unterwegs gibt es noch ein wenig Abwechslung durch Baumassnahmen und die damit einhergehenden Umsteigezwänge. Egal, ich komme mit genügend Zeitpuffer im Teilnehmerbereich an und mache mich auf den Weg in den Startblock.

In der Zeit kreisen meine Gedanken noch um die fehlende Vorbereitung und den „Leichtsinn“, die lange Strecke zu buchen. Die Trainingsvorbereitungs ist schwach, im Februar und März bin ich wegen Knieschmerzen kaum zu fahren gekommen. Erst im April und jetzt im Mai kann ich nennenswert Zeit im Sattel verbringen. Im Startblock B bin ich mit der Vorbereitung sicherlich nicht richtig einsortiert….jetzt aber ist es nicht mehr zu ändern, ich werde die Strecke schon schaffen.

Der Startschuss fällt und die ersten dreißig Kilometer kriege ich kaum was mit, das Fahren im Pulk fordert alle Konzentration. Es ist wie im Rausch, der Tacho pendelt um die 40 km/h.

Erst ausserhalb von Berlin, südlich der A10 löst sich das Feld auf, streckenweise „ziehe“ ich vier oder fünf Mitstreiter auf der Brandenburger Allee mit. Mein Flaschen sind aber alle, ich habe ziemlichen Durst und so schere ich bei Km 75 von der Strecke ab in die Verpflegungsstation. Hier trinke ich zunächst einen Liter, mit vollen Flaschen und zwei Bananen mache ich mich an den Rest der Strecke. Zunächst geht es schnurgerade auf der B101 in Richtung Stadtgrenze.

Ein kommender Abschnitt macht mir noch Sorgen, die Streckenführung auf dem Tempelhofes Flugfeld. Da wird es mächtig Gegenwind geben, hoffentlich findet sich da auch für mich ein Windschatten…

Dort angekommen erwische ich zunächst ein Hinterrad, aber ich kann nicht mithalten. Irgendwo auf der Gegenwindstrecke habe ich dann auch noch einen ordentlichen Krampf im rechten Oberschenkel, ich fahre daher sehr behutsam weiter. Ich bin jedenfalls sehr froh, als ich das Flugfeld hinter mich gebracht habe.

Bei Kilometer 90 meldet sich mein Körper wieder, die Energieriegel sind alle und ich kriege langsam Hunger. Um die Situation zu verspotten führt mich der Kurs durch Neukölln, der Duft von vielen Bistros und Dönerbuden liegt warm und verheißungsvoll in der Luft.

Für die letzten zehn Kilometer findet sich noch ein Mitstreiter, wir schwatzen ein wenig und rollen locker mit ca. 30 km/h in Richtung Ziel, zwischendurch werden wir immer wieder von schnelleren Gruppen überholt. Für einen Schlusssprint habe ich keine Kraft mehr, ich rolle mit dem Tempo der letzten zehn Kilometer durchs Ziel. Im Teilnehmerbereich mache ich eine längere Pause, bin ziemlich fertig und fülle zunächst mit Wasser und Bananen die Leere in meinem Magen aus.

Irgendwann auf dem Heimweg kommt dann die SMS mit den Ergebnissen: 120 Kilometer in 3 Stunden und 18 Minuten, das ergibt einen Schnitt von etwas mehr als 35 km/h und einen Platz irgendwo im Mittelfeld. Zum Vergleich: der Sieger ist nach 2:45 Stunden im Ziel gewesen, der letzte Mann in der Wertung hat für die Strecke etwas über fünf Stunden gebraucht.

Ich bin aber sehr zufrieden, das ich die Strecke absolviert habe und nie der Gedanke an ein Abbruch aufkam. Werde jetzt meine Beine pflegen und für das nächste Jahr mehr Vorbereitungszeit einplanen!

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