durch die Mecklenburger Nacht

1000 Kilometer und davon ein paar längere Stücke, das soll man lt. Webseite zur Mecklenburger Seenrunde vor dem Start gefahren sein, um die 300 Kilometer gut zu überstehen. Das hatte ich so gerade erfüllt… 1500 Kilometer waren es vor dem Start hier in Neubrandenburg. Mir war klar, es würde weh tun. Egal ob Hintern, Beine oder Nacken oder…. es würde weh tun….
Hatte mich bewußt für die Nachtfahrt entschieden, ein Start irgendwann nach 20:00 Uhr. Lt. Ausschreibung sollen die Räder ja alle Licht haben, ich rechnete also mit einem kurzen Check. War nicht der Fall. Ich rechnete auch mit einer Startblock“Kontrolle“ ähnlich wie beim Velothon in Berlin, war auch nicht der Fall. Andere waren unruhiger, ich bin 10 Minuten später auf den Kurs gekommen, als eigentlich vorgesehen, aber hey.
Unter Polizeibegleitung ging es bis zur Stadtgrenze, irgendwie fand ich mich bei einer Truppe wieder, die von einem Eggesiner Handwerker gesponsert wurde. Die machten viel Druck, lösten sich vorne im Wind ab, ließen andere nicht mitarbeiten und tolerierten doch die drei Windschattenlutscher, wie mich. Die Signale in der Gruppe klappten und so ging es zügig in den Abend, das erste Depot war schon vorbei. Mir war klar, daß ich diesen Zug irgendwann verlassen muß, ich würde das Tempo nicht halten können. Aber erstmal Strecke machen, der Rest wird dann schon. 
Kurz vor dem Start
In Neustrelitz biege ich ins Depot ab, es gibt leckere Bananenstullen und wieder zwei volle Flaschen Wasser. Danach finde ich eine große Gruppe, gefühlt um die 100 Fahrer. Sehr viel Unruhe im Feld, ständig Postionswechsel, unklare Handzeichen, regelmässige „Wo-ist-Frank?-Rufe“ (hat Frank die Kekse für den Rest vom Team?) und viele dieser blinkenden Rücklichter. Das raubt viel Konzentration, nutze die volle Blase, um mal auszuscheren und das Feld ziehen zu lassen. Dann wird auch der Kontrast deutlich, ich kann als Alleinfahrer die Nacht intensiv wahrnehmen: deutlich kühler, hier und da Froschquacken, die verschiedenen Vögel zwitschern, die Grillen sind zu hören. Natürlich auch ein, zwei Gänge langsamer. 

Pause in Neustrelitz, die Fahrradständer sind auf 23mm-Reifen ausgelegt, mein Rad hat 35mm-Reifen

PERFEKTE Ausschilderung, wer sich hier verfährt, der ist eingeschlafen!

Depot in Röbel: Mit Licht, großem Zelt und engagierten Helfern

Hinter Röbel ziehe ich alles an, was ich dabei habe: eine dünne Laufhose über die Radlerhose, ein Merino-Langarm-Trikot und noch ein Merino-Pullover. In den Senken sammelt sich die kalte Luft und der Nebel, es gibt einen regelmäßigen Wechsel zwischen „warm“ und „kalt“ unterwegs, aber es fühlt sich nie unangenehm an.

Hafermüslifrühstück kurz vor 04:00 im Feuerwehrdepot

Am Fahrradständer vor dem Depot teilt ein anderer Fahrer an seine Kameraden Schmerztabletten aus, einer von denen fragt: „Das ist Nummer vier, oder?“ Ich wähne mich im falschen Film… Die wirklich schnellen Fahrer sind jetzt kurz vorm Ziel und es gibt bei der MSR keine Platzierung, keine Sieger. Ich fahre hier, um meinen eigenen Schweinehund vom Sofa zu schieben und meine eigenen Grenzen zu erfahren, andere werfen sich für nichts die Pillen ein…

Sonnenaufgang in Mecklenburg

Zwischendurch zeichnet sich zweimal deutlich der Umriss eines Chausseehauses an der Straße ab, allerdings ist es für Fotos noch viel zu dunkel. Und so richtig merke ich mir die Standorte auch nicht, bin zum Radeln hier. Der Horizont wird wieder heller, dank meiner Alleinfahrt kann ich das die nächsten zwei Stunden intensiv wahrnehmen. Wundervolle Momente!
Birgit aus Stuttgart macht auch viele Fotos und holt mich dann ein, wir quatschen bis zum nächsten Depot miteinander. Für sie ist diese Gegend ein totaler Kontrast zur Heimat, wenig Leute, kein Verkehr, die Grundstücke viel größer, die Äcker viel größer, „janz viel Jejend“!

Pause gegen 06:00 Uhr in Möllenhagen, Apfelkuchen futtern. Und brauchbare Radständer!

Mein Motto für die letzten 100 Kilometer

nur noch bergab 😉

Foto von Sportfotograf.com kurz vorm Ziel

Bin dann von den Abendstartern einer der Letzten im Ziel, es gibt kaum Zuschauer und die Stände sind verwaist. Das ist mir komplett egal, ich habe die Tour genossen, bin stolz auf mich und freue mich über die gewonnenen Erfahrungen/Erlebnisse. Dann folgen: Dusche, Bier und Bett!

Randnotizen:
– die MSR ist eine perfekt organisierte Veranstaltung, alle Helfer und Organisatoren sind mit Spaß bei der Sache gewesen, die Ausschilderung ist bis zu den Hinweisschildern für „Falschfahrer“ perfekt!
– ein Fahrer ist die Strecke doppelt abgefahren…
– hatte nur Muskelkater hinterher
– per STRAVA Beacon feuern mich meine Mädels und ein Altlandsberger unterwegs an, kurioses Gefühl, passt aber mit Sicherheit nicht für jede Radtour.

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