Velothon 2017- auf 180 Kilometern grandios scheitern

Prolog: 
Irgendwann in 2016 melde ich mich für die neue 180er Strecke an, schließlich habe ich die 60er und die 120er Strecke ja vor einigen Jahren schon absolviert. Nehme den Frühbucherrabatt mit und melde mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 32 km/h.
So richtig klar ist mir nicht, auf welchem Rad ich sitzen werde. Ein reinrassiges Rennrad ist in Arbeit, aber sowohl der Rahmenbauer und der Pulverbetrieb stapeln tief, liefern dann doch schneller. Am Mittwoch vor dem Veranstaltungswochenende habe ich den Rahmen wieder im Keller. Es folgen zwei lange Abende und ein teuerer Ausflug zu Zweirad-Stadler, wer 11-fach fahren will, braucht kein Hinterrad mit einem Freilauf für ein 10er-Ritzel. Bei Stadler herrscht dann auch noch mehr Chaos als in meinem Radkeller. Zu Laufradsätzen sind nur die Vorderräder zu finden, das ändert sich auch mit Personalhilfe nicht. Also fische ich ein einzelnes Mavic-Aksium-Hinterrad aus dem Regal und kann damit auch das 11er-Ritzel montieren. Zudem wird eine 1×11 SRAM-Rival-Gruppe ans Rad kommen, ist für mich blöderweise das erste Mal, daß ich so eine Gruppe verbaue und fahre. Geht dann aber dank diverser YouTube-Videos doch sehr gut.
Am Freitag ist das KONA HonkyTonk fertig, am Sonnabend vorher kurbele ich irgendwie 30 Kilometer zusammen, um mich ans Rad und die SRAM-Schaltlogik zu gewöhnen.
Ein paar Tage vorher schreibt mich Janek an und weist dezent auf die geforderte Durchschnittsgeschwindigkeit hin: 35 km/h. Die werde ich keinesfalls schaffen, das verschafft mir in den Tage vorher doch ein paar nachdenkliche Momente. 
Velothon-Tag:
Um 4:30 Uhr aus dem Bett fallen und keinen Bissen runter kriegen, so ist mein Start. Um kurz nach 05:00 treffen sich die Altlandsberger zur gemeinsamen Anreise bis zur U-Bahn in Hönow, ich bin mit meiner Strecke der Außenseiter. Alle anderen wollen die 60 Kilometer-Runde fahren und zum Mittag wieder zu Hause sein, der Start der 60er erfolgt nur zwanzig Minuten nach dem Start der 180er-Fahrern.
Radsammlung in der U5

Startblock C, direkt am Potsdamer Platz, die kleine Tasche bunkert die Riegel

Tja, dan gehts auch schon los, ich finde einen Zug von Engländern, die mich zwar mitziehen, aber ich nicht im Wind arbeiten darf. Smalltalk geht und so fliegen die Kilometer nur so durch. Das Tempo passt noch, eigentlich immer irgendwie über 35 km/h.
Bei Kilometer 50 verliere ich eine meiner beiden Trinkflaschen. „Das wird ja blöd“ denke ich noch. Windschattenfahren klappt gut bis Kilometer 80, dann bin ich auch trocken. In Brandenburg hat jemand den Fön angestellt, warmer und trockener Westwind. Keine Tankstelle weit und breit. Ich versuche durch die Nase zu atmen, aber das klappt nicht lange. Staubig und rauh fühlt es sich in meinem Mund an. Endlich in Ludwigsfelde gibt es eine Tankstelle, irgendwo bei Kilometer 120. Ne richtige Cola und ein Wasser nehme ich für vier Euro mit, das habe ich echt nötig. Drei Kilometer weiter kommt die nächste Versorgungsstation, da ist die Cola schon alle und das Wasser nur noch halbvoll. Trinke viel, esse ne Kleinigkeit, bunkere Wasser und es geht weiter.

Bei Kilometer 136 werde ich vom Besenwagen angesprochen. Ganz freundlich, bin aus dem Zeitlimit und damit aus der Wertung, darf aber weiter fahren. Soll den schnellen 120er-Fahrern dann bei Bedarf auch Platz machen.

der freundliche Besenwagen

Fahre auch weiter, was soll ich in Ludwigsfelde? Habe die 180 Kilometer gebucht und für mich als Ziel gestellt, dann halt ohne Wertung. Die war für mich auch bei den anderen Teilnahmen eher eine Randnotiz.

Auf der B101 (autobahnähnlicher Ausbau) kommt´s noch dicker: Erst Muckern meine Beine, bin ein paar Mal kurz vorm Muskelkrampf, wahrscheinlich Nachwirkungen der langen Durststrecke. Und: die linke Kurbel lockert sich, liegt dann auch irgendwann auf dem Asphalt. Mein Multitool hat keinen 8mm-Inbus-Schlüssel dafür… Zum Glück bekomme ich von einem anderen Fahrer Hilfe, der sichert mir mit seinem Tool die Weiterfahrt. Keine Ahnung, was ich sonst gemacht hätte. Die Beine beruhigen sich langsam wieder ich kann weiterkurbeln.

Kurbel lose…

Auf dem Flugfeld Tempelhof kommt das erste 120er Feld angerauscht. Da wird mir dann auch deutlich, wie viel rücksichtsvoller und entspannter es im 180er Feld zu ging. Im 120er Feld wird regelrecht gekämpft, gebolzt, gedrängelt, usw. Ich lasse die passieren, da habe ich keine Lust drauf. Etwa in Höhe der Stelle wo ich in Kreuzberg die eigene Flasche verloren habe, wird mir vom Rand eine Mineralwasserflasche gereicht. Bin schon wieder trocken…

Genieße den Rest der Strecke, lasse noch zwei andere 120er Felder passieren und freue mich dann im Ziel auf das alkoholfreie Bier. Der Schnitt ist lt. STRAVA fast eine Punktlandung: 31,8 km/h.
Neben dem Zelt für die Beutelaufbewahrung befand sich der hervorragend ausgestattete Dusch-Truck von HansGrohe, ich genieße das Duschen sehr. Staub und Schweiß der Strecke kommen runter, frische Sachen aus dem Rucksack und dann gehts an den Heimweg. Wieder kombiniert mit U-Bahn und Rad. In der U-Bahn fällt mir dann auch auf, dass die Finisher-Medailie verschwunden ist, die hatte ich beim Duschen übers Rad gehangen. Passt dann auch irgendwie in den Tag 😉

Trotz aller Missgeschicke: ich habe den Tag auf dem Rad sehr genossen, hatte Spaß auf der Strecke und mit den anderen Mitfahrern, freue mich über die absolvierten 180 Kilometer, wurde freundlich vom Besenwagen aus der Wertung genommen und kann mir für 2018 andere Ziele suchen. Die SRAM-Schaltung hat gute Dienste geleistet, das KONA ist mein erstes Rad ohne Shimano-Teile.

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