mal wieder Harzen

Es passte mal wieder vom Wetter und vom Dienstplan, ich habe mit dem Rad einen Ausflug in den Harz machen können. Eigentlich hatte ich auch vor irgendwo da draussen zu übernachten, aber es kam dann doch anders…

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Start… alles dabei?

Ab Wernigerode ging es in den Harz, die Schotterstraßen führen mich hoch in die Ausläufer vom Brocken. Ich stelle schnell fest, das die Karten und das GPS zu Hause geblieben sind, bleibt also nur die Navigation mit dem Smartphone und den dort vorhandenen offline-Karten. Die Entfernungen wirken hier wieder ganz anders, wenn am Wegweiser 2,5 Kilometer bis zu nächsten Stempelstelle angezeigt werden, dann dauert es bis zur Ankunft deutlich länger als zu Hause in Brandenburg. Egal, ich genieße die Landschaft und die Wege, für die Steigungen muss ich mir eben Zeit lassen. 

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unterwegs, westlich von Ilsenburg

Fünf Stempel von der Harzer Wandernadel und 24 Kilometer später lande ich an der Eckertalsperre. Hole mir auch dort einen Stempel, fotografiere den alten Grenzpfahl. Ein Regenschauer zieht durch, ich spanne mir ein Tarp zwischen Geländer und Bäume, koche mir einen Kaffee, esse Kekse und ne Banane. 

Komisch das einem diese absurde Grenze hier noch so deutlich wird, wenn ich in Berlin oder auf dem Weg nach Bayern die Grenze überquere, dann nehme ich die schon lange nicht mehr wahr. Aber hier sind eben immer noch viele Überreste zu finden. Und der massive Aufwand an Material und Personal für die Grenzsicherung wird 27 Jahre nach dem Wegfall der Grenze immer noch spürbar. Habe von der Eckertalsperre zum Brocken hochgesehen und irgendwie muss ich da auch noch hoch…. Nehme zum ersten Mal die Nordrampe mit der fiesen Steigung, an Fahren ist nicht zu denken. 

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so ein minimaler Eindruck von der Grenzsteintrophy

Kann also auf 2,8 Kilometern Panzerplatten bewundern und den Gedanken freien Lauf lassen. Wie viel Beton und Stahl wurden an der Grenze verbaut? Wie viele Häuser bzw. Straßen hätte man davon reparieren können… Was für ein Irrsinn! Aber auf der anderen Seite wurden ja mit der gleichen Leidenschaft die Gelder in militärische Projekte gesteckt…

Gedankensprung: Wie würde sich das Rad mit einer Rohloff fahren? Könnte ich dann an einigen Stellen hier im Harz noch kurbeln im Vergleich zu verbauten Alfine8? Wie würde es sich mit 10 Kilogramm weniger Körpergewicht anfühlen? Was wäre, wenn beides zuträfe? 

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leerer Brockengipfel

Irgendwann bin ich auf dem Brocken, koche mir noch ein Abendbrot und nen Kaffee. Prüfe meine Optionen. Die oben bekannten Schlafplätze sind nicht nutzbar, entweder liegt da noch Schnee oder nebenan schlägt eine Baupläne im Wind. Ruhe werde ich hier nicht finden. Prüfe nochmal die Ausrüstung, stelle fest, das noch mehr Dinge zu Hause geblieben sind: Powerbank und Stirnlampe…. Also schnell runter vom Brocken. Der erste Teil geht über die Brockenstraße, aber dann wird es schwieriger. Auf dem Wanderweg muss ich an vielen Stellen absteigen, um umgestürzte Bäume zu umfahren oder mit Rad zu übersteigen. Dann schickt mich Komoot in einen engen Singletrail in Richtung Erdbeerkopf. Bergauf geht der Weg noch, auch die Dynamobeleuchtung tut ausreichend ihren Job. Auf dem Stück bergab wandelt sich der Charakter des Weges komplett. Verblockt, viel mehr umgestürzte Bäume und alles ist nass und rutschig. Der Trail ist sicherlich fahrbar: mit Federung am Bike, am Tag, mit entsprechender Erfahrung und ohne die ganzen umgestürzten Fichten.

Ich steige ab, selbst zu Fuß und aufs Rad gestützt habe ich mehrfach Mühe einen Sturz zu verhindern. Brauche für den Kilometer bis zum nächsten Schotterweg eine knappe halbe Stunde. Es ist inzwischen dunkel, die fehlende Stirnlampe macht sich voll bemerkbar. Der Empfang fürs Smartphone ist übersichtlich, der Akkustand auf 20 % runter. Ich fühle mich überhaupt nicht mehr wohl, habe keine Lust mehr. Endlich wieder Schotter, die zwei Singletrail-Vorschläge von Komoot ignoriere ich. Selbst am Auto brauche ich eine Weile, um die Anspannung los zu werden… Buche mir ein Hotel in Wernigerode, der Schlafsack landet im Kofferraum.

Fazit: Packlisten haben ihren Sinn, ich hatte viele Dinge vergessen, dafür zwei Tarps dabei und auch zwei Kochtöpfe… Und ich muss noch viel lernen. Trotz der vorhandenen Literatur und vielen abonnierten Blogs zum Bikepacking geht es nicht ohne eigene Fehler….

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