Die Fahrradreifeprüfung

Der Gesetzgeber schickt radelnde Kinder bis zum Alter von 10 Jahren auf den Fußgängerweg, die dazugehörigen Eltern inzwischen auch. Erst ab dem Alter sind motorische Fähigkeiten und Wahrnehmung im Straßenverkehr sicher genug, um auf Straße zu fahren. Bis vor ein, zwei Jahren sollten begleitende Eltern auf der Straße fahren, was ich schon immer komisch fand. Aber zurück zum Thema: Beide Töchter haben jetzt die Fahrradprüfung absolviert und ich werde versuchen den Ablauf in Brandenburg zu schildern, in anderen Bundesländern mag es ähnlich oder ganz anders ablaufen.

Vorbereitung Teil 1:

Es gibt eine ausführliche Elternversammlung Wochen vor dem Prüfungstermin, eigentlich nur zu diesem Thema. Die geplante Fahrstrecke wird bekanntgegeben, Selbstlernmedien (Papier und Webseite) für die Kinder vorgestellt, die weiteren Termine in die Kalender eingetragen etc. In meinem Heimatort hat sich die Strecke im Zeitraum von fünf Jahren nicht geändert, Start vor der Schule, Ampelkreuzung, ne vergleichsweise große „Acht“ durch ein paar Straßen und dann zurück zur Schule. Insgesamt zwei Kilometer mit normalen Straßenverkehr, Brandenburger Kopfsteinpflaster, Radwegen und diversen Kreuzungssituationen mal mit, mal ohne Vorfahrt.

Vorbereitung Teil 2:

Zwei Wochen vor dem Prüftermin müssen alle Kinder mit ihren Rädern zum technischen Check. Polizisten und Leute vom ADAC prüfen die Räder auf Verkehrssicherheit. Ich habe keine Erklärung, warum der ADAC das macht und nicht der ADFC…. und kurioserweise fallen da Räder wirklich komplett durch: fehlendes Licht, funktionslose Bremsen sind da die Gründe. Durchgefallene Räder müssen vor der praktischen Prüfung erneut vorgezeigt werden und nur mängelfreie Räder dürfen dann zur Prüfung genutzt werden.

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ein fehlerfreies und verkehrssicheres Rad

Vorbereitung Teil 3:

Die Kinder fahren zusammen mit ihren Eltern die Strecke ab (eigenständig zu organisieren) und gehen auch im Klassenverband die Strecke mehrmals vor dem Termin ab. Neuralgische Stellen werden besprochen, Schilder und Vorfahrtsregeln trainiert.

Der große Tag:

Etwa 20 Eltern helfen als Streckenposten und werden von einem Polizisten eingewiesen, währenddessen machen die Kinder einen Theorietest mit einer Polizistin. Dann geht es auf die Strecke, die knapp 60 Kinder starten mit einem Abstand von 60 Sekunden auf die Strecke. Alle tragen Westen mit großen Nummern, die Aufgabe der Streckenposten ist es die Fehler auf einer Kladde zu erfassen. Die kritischen Posten werden durch weitere Polizeikräfte besetzt, aber auf das Fahrverhalten von einigen Autofahrern hatte das keinen positiven Einfluss…

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HZ: Handzeichen fehlt, SB: Schulterblick fehlt

Nachdem alle Kinder gefahren sind, werden die Listen zusammengefasst und ausgewertet. Vorfahrtsfehler führen in jedem Fall zum Durchfallen, wer bei den anderen Fehlern zuviel gesammelt hat, darf auch in die zweite Runde. Der zweite Durchlauf funktioniert genauso, es sind in diesem Jahr dann noch knapp 20 Kinder auf die Strecke geschickt worden.

Dann gibt es wieder eine Auswertung und für die Kinder (leider nicht für alle) einen Fahrradführerschein.IMG_8017.jpg

Randbemerkungen:

  • nicht in allen Familien hat das Rad als Verkehrsmittel/Sportgerät den Stellenwert, wie in der eigenen Familie. Oder überhaupt einen Stellenwert… das ist dann deutlich zu sehen gewesen, wenn die Räder viel zu klein waren, die Schutzbleche schliffen oder die ohnehin niedrige Qualität auf Baumarktniveau durch das Alter der Räder noch schlechter wurde. Das gilt natürlich auch für die Sicherheit der Kinder auf den Rädern.
  • Streckenposten mit Warnwesten an den Kreuzungen, teilweise Polizei mit sichtbaren Streifenwagen und natürlich die Kinder auch in Warnwesten…. Da könnte man meinen, das Autofahrer etwas rücksichtsvoller fahren und sich zusammenreimen, das da irgendwas im Gange ist und eben mal langsamer fahren. Gilt leider nicht für alle….
  • die Schule erhält die Listen zur Auswertung und macht in den Klassen eine Nachbesprechung
  • die Polizei führt dann interne Statistiken zum Zustand der Räder und zu den Quoten für die Durchfaller und Fehlerquellen, dank der Westennummern auch absolut anonym.

2 Kommentare zu „Die Fahrradreifeprüfung

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  1. Ich hätte doch die ganze Runde fahren sollen, dann wüsste ich jetzt Bescheid 🙂 Ist schade zu hören, dass die Kinder teilweise auf Rädern sitzen, die ihnen nicht passen oder die schlecht gepflegt sind. Aber klar, wie soll es anders sein, wenn das Umfeld kein Interesse am Rad hat … (Garage zur Selbsthilfewerkstatt machen? Klar, du hast ja sonst nichts zu tun… ;-))
    Gibt es eigentlich noch ein paar Worte zur MSR? Würde mich freuen zu lesen, wie es war! Lieben Gruß aus B.

    Gefällt 1 Person

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