Radeln in Corona-Zeiten

Ich werde mal versuchen, meine Eindrücke hier zu sammeln. Aber es wird nicht so reflektiert, wie in dem Corona-Tagebuch von Ilka oder auch nicht so „wehmütig“ wie bei takeshi aus Berlin. Hatte bisher eher übersichtliche Rad-Pläne für 2020, die waren auch nie an feste Veranstaltungen gebunden.

Zweite Vorbemerkung: wir als Familie erleben die aktuelle Situation auch vergleichsweise privilegiert, in ganz vielen Gesichtspunkten: relativ sichere Arbeitgeber, viel Platz in den eigenen vier Wänden, viel Platz und NATUR drumherum (der nächste Feldweg ist 200 Meter entfernt und gegenüber wohnt ne Schafsherde). Ich fand das Leben in einer Großstadt nie anziehend, aktuell wäre das für mich die Hölle. Das Arbeiten im Homeoffice ist für die Erwachsenen hier seit Jahren bekannte Praxis (zwei eigenständige Büros vorhanden) und die Kinder sind recht groß bzw. selbständig. Wir haben genügend internetfähige Geräte für Job, Schulaufgaben und Zerstreuung.

Was hat sich nun geändert?

  1. ich fahre nicht mehr mit dem Rad zum Einkaufen. Einerseits ist der Lebensmittelbedarf deutlich angestiegen. Zum Anderen möchte ich keine zwei oder dreimal pro Woche (wie bisher) die Einkäufe kurz vor der Arbeit erledigen. Und dann ergibt sich eine solche Menge an Einkauf, das schaffe ich nicht mehr mit dem umgebauten MTB. Also Auto…. geblieben sind die Runden zum Bäcker, die werden dann gerne ausführlicher als sonst. Im Gegenzug sind natürlich auch die Dienstreisen weggefallen, die Tankfüllung reicht seit März aus.

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    auf der Bäckerrunde in den Nachbarort
  2. Durch die fehlenden Dienstreisen fahre ich sehr oft die bekannten Wege in der bekannten Umgebung. Und wenn man dann bei der Mittagsrunde schon weiß, wo der nächste Hund bellen wird, dann wirkt das ein wenig langweilig. Natürlich gibt es auch keine Teilnahme an den Lunchrides in Hamburg. Es gibt sehr selten neue Kacheln für Veloviewer.com. Und ich suche aktiv irgendwelche Feldwege und Trampelpfade für Alternativrouten. Aber das sind Luxusprobleme.
  3. Es gab zwei, drei Tage, an denen ich überlegt habe, einen Rollentrainer zu kaufen. Die Nachfrage nach solchen Geräten ist ja in der Zeit extrem in die Höhe geschossen, wie bei den Masken gab es Lieferengpässe… eigentlich auch verrückt und zeigt auch deutlich, wie gut es uns geht…. habe keinen Trainer gekauft, hätte mich noch schneller auf dem Ding gelangweilt als bei den Mittagsrunden.
  4. Die beiden Töchter lassen sich (bisher) vergleichsweise leicht zu Aktivitäten ausser der heimischen WLAN-Reichweite animieren. Auch der gemeinsame Sport hat zugenommen… und ich freue mich darüber!
  5. Die eigenen vier Wände sind deutlich „schmutziger“, der tägliche Beseneinsatz ist inzwischen geübte Praxis.
  6. Die Wälder im Berliner Speckgürtel sind deutlich „voller“, aber klar: andere Ziele sind für die von der Enge geplagten Berliner derzeit außer Reichweite. Bin mir nur nicht sicher, ob die Autos nicht doch vor dem Wald stehen bleiben sollten und ob die 15 Leute, die auf einer Lichtung im Wald ne Party gemacht haben, wirklich zu einem Haushalt gehören. Und ich muss mir die Vorstufe zum Blockwartdenken abgewöhnen.
  7. Coole Berliner aus Neukölln finden es trotz Waldbrandwarnstufe 5 völlig in Ordnung im Brandenburger Wald nen Feuer zu machen. Ich verliere den Glauben an die Menschheit als vernunftbegabte Wesen.
  8. Ich nutze die Zeit für Umbauten an den Rädern, das Paypal-Konto wird fleißig genutzt. Und natürlich fällt allen Homeoffice-Anwesenden auf, das da ganz schön viele Pakete ankommen 😉
  9. Ein Familienmitglied nutzt jetzt häufiger das iPad für die „tägliche Sportstunde“… Dank dieser Person habe ich jetzt Gabi Fastner in den YouTube-Abos. Aha.

 

Pläne für 2020?

Vorab: alles Phantasie mit Schneegestöber!

  • Ich wollte den Forststeig in etwas angepasster Form mit nem Fatbike/MTB abradeln. Durch die Grenzsperrung zwischen Tschechien und Deutschland bis zum Jahresende wird das wohl nix.
  • Absolvierung des Stoneman Road im Erzgebirge. Keine Hotels, keine offene Grenze… irgendwann…
  • Harzquerung mit dem MTB in 1,5 Tagestouren. Wollte da auch mal meine Ausrüstung/Reifen/Leidensfähigkeit für die geplante Teilnahme an der Grenzsteintrophy in 2021 testen. Das halte ich durchaus für machbar.
  • DIY-Brevets: Lt. der Auswertung der STRAVA-Tracks auf Veloviewer stoße ich anscheinend bei einer Fahrzeit von um die 13-14 Stunden an eine mentale Grenze. Und ich möchte einfach herausfinden, was mit mir und meiner Einstellung für die weiteren Kilometer bis zum Ziel bei längeren Touren passiert. Da die Einsätze als Regattafunktionär in diesem Jahr wohl durch Corona ausfallen werden, habe ich ggf. mehr Zeit und Gelegenheit für solche Experimente. Eine 200er Runde durch Oderbruch hat schon geklappt.
  • Vorträumen und vorplanen auf komoot findet bei mir gerade sehr intensiv statt.

Ein Kommentar zu „Radeln in Corona-Zeiten

Gib deinen ab

  1. Hallo Christoph, der Stoneman Road klingt ja verlockend, es ist bei mir nicht hängengeblieben, dass es auch eine Straßenvariante gibt… schade, dass die Anreise doch eine Ecke ist… Unter welchem Namen planst du denn auf Komoot?
    Weiterhin viel Spaß beim Träumen wünscht eine von der Enge geplagte Städterin (die aber immerhin nicht mit dem Auto in den Wald fährt :-))

    Gefällt 1 Person

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