DIY-Brevet mit Rückenwind

Sonntags kurz nach 06:00 Uhr ergibt sich am Berliner Ostkreuz eine komische Mischung an Fahrgästen. Die Partygänger, die die Nacht durchgefeiert haben und sich noch nen Bier als Absacker vom Bahnsteigkiosk auf den Heimweg nehmen. Die Leute, die Schichtdienst haben, sich übermüdet an einem Kaffeebecher festhalten. Und komische Radfahrer, die aufgrund der Windvorhersage nur in eine Richtung fahren wollen. Im RE1 nach Magdeburg lacht mich der ODEG-Schaffner fast aus, das ich extra ein Fahrradticket gekauft habe. Das ist nämlich für den Nahverkehr nicht online zu bekommen… Im Gegenzug sind dann alle Toiletten im Zug defekt und ich habe da ein ganz komisches Gefühl dabei… In Magdeburg drängelt dann meine Verdauung schon, konsequenterweise ist die Bahnhofstoilette auch geschlossen… Finde am Vorplatz ein Dixiklo, das sieht innen nicht sehr einladend aus. Mache es mir mit Feuchtüchern ein wenig „gemütlich“… dann erst habe ich den Kopf frei für den „Heimweg“.

am Startpunkt am Magdeburger Hauptbahnhof

Blick auf den Magdeburger Dom, man beachte den formschönen Dreckfänger am Rad

Die Taschen sind gut gefüllt, brauche erstmal nix. Rolle an die Elbe, über die Insel in der Elbe und brauche dann doch knapp 20 Kilometer, um endlich ohne Häuser bis zum Horizont schauen zu können. Es gib quasi keinen Verkehr, die Kilometer sammeln sich sehr locker. Natürlich hilft der vorhergesagte Rückenwind aus Südwest mit bis zu 5 Bft. Dafür ist das Regengebiet schon weggeschoben, ich habe einen recht trockenen Tag vor mir.

hat keine Aufgabe mehr im Dorfleben…

Die Orte sind leer, es gibt kaum Menschen zu sehen und viele Grundstücke wirken verlassen. Wieder der zunehmende Kontrast zu den Metropolen wie Berlin oder Hamburg. Man sieht regelmäßig die Geflügelfarmen, industrialisierte und digitalisierte Landwirtschaft. Dann gibt es noch ein paar Handwerksbetriebe und Tourismus, das war es dann an sichtbaren Arbeitsplätzen in der Region. In Wiesenburg gibt es bei Kilometer 65 „pünktlich um 12:00 Uhr“ einen Döner, das passte einfach mit dem Hungergefühl und den Versorgungsmöglichkeiten in der Region.

Irgendwann quere ich die A9, auf den Landstraßen bleibt der Verkehr sehr übersichtlich. Die PKW überholen mit sehr viel Rücksicht, es bleibt den ganzen Tag über ein sehr entspanntes Radeln. Vor Treuenbrietzen kommt mir ein älteres Paar entgegen. Schon von weitem wedelt eine Person mit einer Lampe in meine Richtung. Ich versuche, den seitlichen Abstand auf dem gemeinsamen Weg zu vergrößern, die Lampe wedelt dann um so deutlicher in meine Richtung. In Kopfhöhe… Höre beim Vorbeifahren: „….ZU HOCH EINGESTELLT…..“ Bin erstmal froh, das ich die andere Lampe nicht an den Kopf bekommen habe, drehe die Frontlampe ein paar Millimeter nach unten.

Pause in Trebbin

Nach etwa 135 Kilometern gibt es in Trebbin ein geöffnetes Café, die anderen unterwegs waren alle in der Winterpause. Der Kuchen ist teurer als der Döner, aber lecker. Wieder auf dem Rad hänge ich meinen Gedanken nach, finde Brevetfahren komisch: Da hat man etwas über 140 Kilometer in den Beinen und denkt sich: „nur noch 70 Kilometer“ bis nach Hause. An anderen Tagen fällt es mir schwer, mich für ne 20er Runde aufzuraffen… Mit Einbruch der Dunkelheit drehe ich die Frontlampe wieder hoch, der Scheinwerferkegel beleuchtet nur die drei Meter vorm Rad! Und im Berliner Speckgürtel nimmt der Abstand der PKWs beim Überholen wieder ab, das fällt mir auf. Selbst Sonntags ist das Leben hier anscheinend hektischer.

Brücke in KönigsWusterhausen

Nach 214 Kilometern bin ich wieder zu Hause, muss eine Weile warten, bis ich unter die Dusche kann. Leben mit Pubertieren 😉🤷🏼‍♂️😂. Aber die erste Langstrecke in 2023 ist bei STRAVA und in den Beinen.

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